Häufige Fragen zur VDE-Anwendungsregel 4105

Warum erhöht der Wechselrichter bei der ersten Inbetriebnahme nur sehr langsam seine Einspeiseleistung?

Hintergrund sind die Vorgaben zum langsamen Anfahren nach einer Abregelung oder der Wiedereinschaltung nach einem Netzfehler, mit der Leistungssprünge im Netz vermieden werden sollen. Demnach darf der Wechselrichter seine Leistung lediglich in Schritten von zehn Prozent seiner Maximalleistung pro Minute steigern, was folglich bis zu zehn Minuten dauern kann.

Was bedeutet die Anzeige „VDE-AR-N4105“ im Display?

„VDE-AR-N4105“ ist die neu eingeführte Kennzeichnung des Länderdatensatzes für Deutschland. Seine Parametereinstellungen berücksichtigen die Anforderungen der neuen VDE-Anwendungsregel 4105, die ab 1. Januar 2012 verpflichtend sind. Der Länderdatensatz existiert in drei Varianten für die unterschiedlichen Blindleistungsanforderungen. Mit dem Laden des entsprechenden Länderdatensatzes ist der Wechselrichter vollständig parametriert.

Wie muss der Wechselrichter parametriert werden, damit er den Anforderungen der neuen Anwendungsregel entspricht?

Eine gesonderte Parametrierung ist nicht nötig, mit dem Laden des entsprechenden Länderdatensatzes erfüllt der Wechselrichter bereits sämtliche Anforderungen. Lediglich für den Fall, dass die Bereitstellung von Blindleistung mit einem festen Verschiebungsfaktor gefordert wird, muss dieser separat parametriert werden (beschrieben im entsprechenden Parameterdokument, dass im Downloadbereich verfügbar ist).

Ist die Verwendung dreiphasiger Wechselrichter zwingend notwendig?

Nein, auch einphasige Geräte dürfen weiterhin eingesetzt werden. Zu beachten ist lediglich die auch im Fehlerfall gültige Schieflastgrenze von 4,6 kVA pro Phase. Spätestens bei mehr als 13,8 kVA Anlagenleistung müssen daher zumindest für den darüber hinausgehenden Teil dreiphasige Wechselrichter oder dreiphasige Einspeiseeinheiten aus kommunikativ gekoppelten Einzelgeräten verwendet werden.

Eine kommunikative Kopplung ermöglichen die Wechselrichter der Baureihe Sunny Mini Central mit ihrer Power Balancer-Funktion. Auch größere Anlagen dürfen um einphasige und ungekoppelte Geräte mit bis zu 13,8 kVA Gesamtleistung ergänzt werden, sofern deren Summenleistung 4,6 kVA pro Phase nicht überschreitet und sämtliche Wechselrichter blindleistungsfähig sind.

Können nicht blindleistungsfähige Wechselrichter in einer Anlage durch zusätzliche Blindleistungsabgabe anderer Geräte kompensiert werden?

Nein, nach VDE-AR-N 4105 muss jeder einzelne Wechselrichter den für die jeweilige Anlagenleistung geforderten Blindleistungsanteil bereitstellen können.

Ist ein Zertifikat notwendig, um Anlagen gemäß VDE-AR-N 4105 in Betrieb zu nehmen?

Nein, im Gegensatz zur Mittelspannungsrichtlinie erfordert die VDE-AR-N 4105 keine speziellen Zertifikate. Die Richtlinienkonformität der Wechselrichter wird von SMA in einer Eigenerklärung bestätigt, die für jeden Gerätetyp online verrfügbar ist.

Was ist bei der Erweiterung bestehender Anlagen zu beachten?

Bei einer Erweiterung besteht grundsätzlich Bestandsschutz für vorhandene Anlagenteile. Ausschlaggebend für die Anforderungen an den neuen Anlagenteil ist jedoch immer die Gesamtleistung der Anlage.

Beispiel: Übersteigt die neue Gesamtanlagenleistung 13,8 kVA, gilt ein maximaler Verschiebungsfaktor von 0,90 für den zugebauten Anlagenteil, auch wenn seine Leistung nur 5 kVA beträgt und somit im Normalfall lediglich ein Verschiebungsfaktor von 0,95 zu berücksichtigen wäre. Übersteigt die neue Gesamtanlagenleistung 30 kVA, muss ein externer Netz- und Anlagenschutz installiert werden, dessen Kuppelschalter auch den ursprünglich bestehenden Anlagenteil einbindet.

Gibt es einen Zeitplan für die Umsetzung der neuen Anwendungsregel?

Während der Übergangsfrist von August bis Dezember 2011 durften Wechselrichter sowohl mit Einstellung nach VDE0126-1-1 als auch nach VDE-AR-N 4105 installiert werden. Seit dem 1. Januar 2012 ist die Verwendung von anwendungsregelkonformen Wechselrichtern obligatorisch.

Lassen sich ältere SMA Wechselrichter nachrüsten, damit sie den Anforderungen der neuen Anwendungsregel entsprechen?

Eine Nachrüstung bestehender Geräte ist in der Anwendungsregel nicht vorgesehen (Bestandsschutz). SMA wird Großhändler und Distributoren frühzeitig mit Wechselrichtern versorgen, die den Anforderungen der VDE-AR-N 4105 entsprechen.