Stand: April 2012

Das überarbeitete EEG 2012

Das Mitte 2011 novellierte und seit Anfang 2012 gültige Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) enthält auch neue Anforderungen, die sich auf die Netzintegration von PV-Anlagen beziehen. Es schreibt die Beteiligung am Einspeisemanagement nun unmissverständlich für Anlagen mit mehr als 100 kW Peakleistung vor und dehnt diese Pflicht gleichzeitig auf kleinere Anlagen aus – allerdings in leicht abgeschwächter Form: Einerseits entfällt die Pflicht, dem Verteilnetzbetreiber auch den Abruf der aktuellen Ist-Leistung zu ermöglichen. Bei Anlagen mit weniger als 30 kWp kann der Betreiber zudem ganz auf eine Vorrichtung zur ferngesteuerten Abregelung verzichten, wenn er im Gegenzug eine generelle Begrenzung der Einspeiseleistung auf 70 Prozent der installierten Generatorleistung in Kauf nimmt.

Abb. 1: Anforderungen des EEG 2012 zur Beteiligung neuer PV-Anlagen am Einspeisemanagement

In puncto Nachrüstpflicht unterscheiden sich die beiden Leistungskategorien ebenfalls: Anlagen zwischen 30 und 100 kWp sind bis Ende 2013 nachzurüsten, wenn sie nach dem 31. Dezember 2008 in Betrieb genommen wurden. Für Anlagen mit weniger als 30 kWp besteht generell keine Nachrüstpflicht.

Abb. 2: Anforderungen des EEG 2012 zur Beteiligung bestehender PV-Anlagen am Einspeisemanagement

FNN-Empfehlung und EEG-Übergangsfrist zur Umsetzung des vereinfachten Einspeisemanagements

Die praktische Umsetzung des vereinfachten Einspeisemanagements für kleinere PV-Anlagen stellte sich vor dem Jahreswechsel jedoch als schwierig heraus, denn viele Netzbetreiber verfügen noch gar nicht über die nötige Steuerungstechnik. Zudem ist in den nächsten Jahren nicht mit konkreten Abregelungsmaßnahmen zu rechnen, da das Einspeisemanagement bei PV-Anlagen ≤ 100 kWp gemäß §11 EEG nachrangig stattfindet (zunächst werden konventio­nelle Erzeuger abgeregelt, dann EEG-Erzeuger > 100 kWp, dann erst PV-Anlagen ≤ 100 kWp).

Daher hat das VDE-Forum Netztechnik/Netzbetrieb (FNN) bereits im Dezember 2011 eine mit dem Bundesumweltministerium abgestimmte Empfehlung herausgegeben. Als Kompromisslösung empfielt man die Installation eines extern ansteuerbaren Relais bzw. Schützes und gegebenenfalls eines (Funk-)Rundsteuerempfängers (Abb. 14). Damit ist die ferngesteuerte Abregelung der Anlagenleistung auf 0 Prozent möglich, sobald der Verteilnetzbetreiber selbst über entsprechende Steuerungstechnik verfügt. Am 21. Dezember 2011 haben das Bundesumwelt- und das Bundeswirtschaftsministerium darauf aufbauend einen Anwendungshinweis veröffentlicht.

Zusätzlich hat der Bundestag im Rahmen der erneuten EEG-Novelle am 29. März 2012 eine Übergangsfrist für die Beteiligung von PV-Anlagen ≤ 100 kWp am Einspeisemanagment beschlossen: 2012 in Betrieb genommene Anlagen müssen sich nun erst ab 1. Januar 2013 ferngesteuert in der Wirkleistung begrenzen lassen. Die Variante der pauschalen 70-Prozent-Begrenzung für Anlagen bis 30 kWp wird somit auch erst zu diesem Termin relevant.

Abb. 3: Die FNN-Empfehlung zum vereinfachten Eispeisemanagement für PV-Anlagen ? 100 kWp

Verglichen mit den möglichen Ertragseinbußen durch eine Kappung der Einspeiseleistung auf 70 Prozent der Generatornennleistung ist die Installation eines zusätzlichen Schützes und gegebenenfalls auch eines (Funk-)Rundsteuerempfängers in aller Regel die günstigere Variante. Darüber hinaus arbeitet SMA an einer in den Wechselrichter integrierten Lösung für die Wirkleistungsbegrenzung.

Hinweis:
Die FNN-Kompromisslösung zum vereinfachten Einspeisemanagement hatte das klare Ziel, die bestehenden Unsicherheiten bezüglich der Umsetzung der EEG-Anforderungen auszuräumen und bei den Investitionen von Anlagen- und Netzbetreibern ein vertretbares Aufwand/Nutzen-Verhältnis für alle Beteiligten zu gewährleisten. Der hier gefundene Kompromiss wurde nicht zuletzt auch von den Vertretern der Netzbetreiber mitgetragen, sodass von dieser Seite geforderte Abweichungen kritisch zu hinterfragen sind. Im Zweifelsfall sollten sich Anlagenbetreiber oder Installationsbetriebe auf folgende Dokumente berufen:

Empfehlung des Forums Netztechnik/Netzbetrieb im VDE vom 14. Dezember 2011

Anwendungshinweis des Bundesumwelt- und Bundeswirtschaftsministeriums vom 21. Dezember 2011

Aufgrund der häufigen Probleme mit Netzbetreibern, die die FNN-Empfehlung zum Einspeisemanagement für kleine PV-Anlagen nicht beachten oder unverhältnismäßig hohe Preise für die Bereitstellung der nötigen Kommunikationstechnik verlangen, hat SMA zudem ein entsprechendes Rundschreiben an alle deutschen Verteilnetzbetreiber versendet.

Auslegung gemäß 70-Prozent-Option

Nur wenn die maximal zu erwartende Einspeiseleistung am Netzverknüpfungspunkt generell deutlich geringer ist als die Generatornennleistung, dürfte die Nutzung der 70-Prozent-Option vorteilhafter sein. Typische Fälle wären eine starke Verschattung der Module, nennenswerter Eigenverbrauch zeitgleich mit dem Erzeugungsmaximum oder Generatoren mit Ost-West-Ausrichtung, da hier die Maximalleistung der Teilgeneratoren nie gleichzeitig auftritt. Die SMA Auslegungssoftware Sunny Design kann dies ab Version 2.20 ebenfalls bei der Wechselrichter-Dimensionierung berücksichtigen. Über weitere Lösungsmöglichkeiten – wechselrichterintegriert oder in Zusammenhang mit dem Sunny Home Manager – wird SMA zu gegebener Zeit informieren.

Hinweis: Die möglichen Ertragsverluste steigen mit zunehmender Unterdimensionierung des Wechselrichters überproportional an. Ergeben sich bei der Auslegung gemäß 70-Prozent-Option Zwischengrößen, ist es meist unwirtschaftlich, auf die nächstkleinere Gerätevariante auszuweichen. In der Regel sollte man den nächstgrößeren Wechselrichter auswählen und durch entsprechende Parametereinstellung exakt auf den benötigten Leistungswert begrenzen.

Nachrüstung älterer PV-Anlagen

Die geforderte Nachrüstung älterer PV-Anlagen ist aus heutiger Sicht in jedem Fall unproblematisch: Für Anlagen mit mehr als 100 kWp ist die entsprechende Technik für Anlagen- und Verteilnetzbetreiber verfügbar, so dass eine Nachrüstung bis Mitte 2012 problemlos möglich sein sollte. So bietet SMA mit der Power Reducer Box bereits seit Anfang 2009 eine Lösung zur ferngesteuerten Wirkleistungsreduzierung. Die Nachrüstung von PV-Anlagen zwischen 30 und 100 kWp kann gemäß der FNN-Empfehlung erfolgen, es ist jedoch damit zu rechnen, dass vor Ablauf der Nachrüstungsfrist Ende 2013 auch technisch anspruchsvollere Lösungen für das Einspeisemanagement verfügbar sind.