Juni 2010

Eine Frage der Einstellung (3)

Im dritten Teil der Serie geht es um den Fernzugriff auf die Sunny WebBox

Als Datenlogger ist die Sunny WebBox das Bindeglied zwischen dem Anlagen-Feldbus RS485 und dem lokalen Computernetzwerk – und natürlich dem Internet. Sie sammelt die Ertrags-, Betriebs- und Messdaten aller Wechselrichter und Sensoren und überträgt sie auf Wunsch automatisch an Sunny Portal. Mit diesem leistungsstarken Onlinetool zur Überwachung, Verwaltung und Präsentation von Anlagen sind die Daten dann von nahezu jedem Ort der Welt über das Internet abrufbar. Es ist aber auch möglich, über das Internet direkt auf eine Sunny WebBox zuzugreifen – etwa um die Konfiguration der Wechselrichter zu prüfen oder Parameter zu verändern. Der dritte Teil unserer Serie gibt hierzu einen Überblick und erklärt die Funktionsweise des Fernzugriffs.

Privat oder öffentlich: IP-Adressen im Internet

Die Funktion der IP-Adresse und ihre korrekte Einstellung wurde bereits im letzten Teil ausführlich besprochen: Sie dient der eindeutigen Identifikation von Netzwerkgeräten, vergleichbar mit einer Telefonnummer. Für den Fernzugriff muss man jedoch zwischen privaten und öffentlichen IP-Adressen unterscheiden. Die private Adresse muss mit den vorhandenen Netzwerkteilnehmern harmonieren, zum Beispiel dem Router, anderen Rechnern, Netzwerkdruckern oder weiteren Kommunikationsgeräten. Öffentliche IP-Adressen dienen der Kommunikation im Internet und müssen ebenfalls eindeutig sein. Mit ihrer Hilfe werden Datenpakete rund um den Globus geschickt und können jederzeit den korrekten Empfängern zugeordnet werden. Private und öffentliche Adressen sind dabei völlig unabhängig voneinander, nur der Router als Internet-Schnittstelle besitzt überhaupt eine öffentliche IP-Adresse. Daher ist auch nur er im Internet „sichtbar“, das private Netzwerk bleibt dahinter verborgen. Will man über das Internet einen bestimmten Netzwerkteilnehmer im privaten Netz erreichen (z. B. eine Sunny WebBox), muss zunächst Kontakt zu dem Router hergestellt werden – über dessen öffentliche IP-Adresse. Der Router vermittelt die Datenverbindung dann an den korrekten internen Netzwerkteilnehmer weiter.

Fest oder dynamisch: noch mehr IP-Varianten

Neben der Unterscheidung in „privat“ und „öffentlich“ gibt es ein weiteres Unterscheidungsmerkmal für IP-Adressen: Sie können fest oder dynamisch vergeben werden. Private dynamische IP-Adressen werden den einzelnen Netzwerkgeräten vom Router zugewiesen, wenn dieser über die DHCP-Server Funktion verfügt. Der Fernzugriff über das Internet klappt aber grundsätzlich nur mit festen internen IP-Adressen. Öffentliche, dynamische IP-Adressen kommen hauptsächlich bei Internetprovidern zum Einsatz: Da in der Regel nicht alle Ihre Kunden gleichzeitig online sind, kann eine IP-Adresse so abwechselnd von mehreren genutzt werden. Der Router des Kunden bekommt dann bei jeder Einwahl ins Internet automatisch eine IP aus dem Adresspool des Providers zugewiesen. Der Nutzer merkt von den wechselnden öffentlichen IP-Adressen allerdings nichts – er kann ganz normal im Internet surfen oder Daten von anderen Rechnern herunterladen. Problematisch ist die dynamische IP-Adresse jedoch dann, wenn der Kontakt zum Router von außen, also über das Internet, hergestellt werden soll. Denn von außen ist nicht erkennbar, unter welcher IP-Adresse der Router gerade online ist.
Für dieses Problem gibt es zwei Lösungen: Einerseits die Verwendung einer festen öffentlichen IP-Adresse. Dies ist allerdings mit zusätzlichen Kosten verbunden und wird meist nur im Rahmen von Geschäftskundentarifen angeboten. Andererseits kostenlose Dienste wie DynDNS.com oder no-ip.com. Sie stellen über einen selbstgewählten Domainnamen die Verbindung zum Router her, indem sie automatisch auf die jeweils aktuelle IP-Adresse weiterleiten.

Kostenlose Hilfe im Internet

Die Dienste zur Verwaltung dynamischer IP-Adressen funktionieren nach einem einfachen Muster: Zunächst registriert man sich kostenlos und reserviert einen Domainnamen. Dabei handelt es sich um eine Subdomain des jeweiligen Dienstanbieters, also z. B. „meinewebbox.dyndns.com“. Der Router wird nun so konfiguriert, dass er in regelmäßigen Abständen (zumindest aber nach jeder neuen Einwahl ins Internet) die ihm dynamisch zugewiesene IP-Adresse an den Dienst meldet. Dazu müssen im Router der Benutzername des DynDNS-Kontos, das entsprechende Passwort sowie der gewählte Domainname eingetragen werden. DynDNS kennt nun immer die aktuelle IP-Adresse des Routers und verknüpft diese Information mit der Domain „meinewebbox.dyndns.com“. Wer die Domain mit dem Browser aufruft, wird daher automatisch mit dem Router verbunden.

Router und WebBox konfigurieren

Nachdem der Router nun jederzeit über das Internet erreichbar ist, muss noch die sogenannte Portweiterleitung konfiguriert werden. Ports sind so etwas wie Datenkanäle für unterschiedliche Netzwerkprotokolle. So ist Port 80 standardmäßig für den Aufruf von Webseiten über http reserviert und Port 110 für den Zugriff auf E-Mail-Postfächer über POP3. Im Menü „Netzwerk“ der Sunny WebBox lässt sich unter „Virtueller öffentlicher HTTP-Port“ die öffentliche Portnummer einstellen. Mit einer entsprechenden Portweiterleitung im Router werden auf diesem Port eingehende HTTP-Verbindungsanfragen dann automatisch an die Sunny WebBox geleitet. Wie die Einstellung vor sich geht, hängt natürlich vom jeweils verwendeten Router ab. Sie basiert aber grundsätzlich auf folgenden Angaben: dem Namen des Netzwerkgerätes (z. B. Sunny WebBox), seiner internen IP-Adresse (z. B. 192.170.160.10), dem internen Port (meist 80) sowie dem öffentlichen Port (z. B. 5001). In unserem Beispiel sieht die Internetadresse zum Aufruf der Sunny WebBox dann so aus: http:// meinewebbox . dyndns . com : 5001. Über diese Adresse ist das Gerät weltweit von jedem Ort aufrufbar, der über einen Internetzugang verfügt.

Mit Sunny Portal geht´s noch einfacher

Wer Sunny Portal nutzt, hat in Sachen Fernwartung eine komfortable Alternative. Denn damit bietet sich eine äußerst einfache Möglichkeit, auf eine Sunny WebBox zuzugreifen – die Nutzung eines Dienstes zur IP-Weiterleitung ist hierfür nicht nötig. Hintergrund: Jedes Mal, wenn die WebBox Daten an Sunny Portal überträgt, hinterlässt sie auch Informationen über die aktuelle IP-Adresse des Routers und ihren öffentlichen HTTP-Port. Lediglich die Weiterleitung dieses Ports an die korrekte interne IP-Adresse muss im Router konfiguriert sein. Um eine direkte Verbindung zu einer Sunny WebBox in Ihrer Solar-Anlage herzustellen, rufen Sie unter „Konfiguration“ den Menüpunkt „Geräteübersicht“ auf. Klicken Sie in der entsprechenden Zeile dann einfach auf die Gerätenummer – schon sind Sie auf der Log-In-Seite Ihrer Sunny WebBox.

Mit Fernzugriff ist Vieles möglich

Ist der Fernzugriff erfolgreich eingerichtet, kann eine Sunny WebBox von jedem funktionierenden Internetanschluss direkt „angesurft“ werden – selbst wenn er sich am anderen Ende der Welt befindet. So lassen sich die Parameter sämtlicher Wechselrichter unmittelbar auslesen oder verändern, ohne dass ein Besuch „vor Ort“ notwendig wäre. Doch es gibt weitere Anwendungen: Die Großanzeige Sunny Matrix und Flashview, die kostenlose Software zur Echtzeit-Darstellung der wichtigsten Anlagendaten, greifen ebenfalls per Netzwerk auf die Sunny WebBox zu. Mit dem beschriebenen Fernzugriff über das Internet können Sie beide in beliebiger Entfernung von Ihrer Solar-Anlage nutzen.

Hinweise

Zum Teil 2 dieser Serie gelangen Sie hier.

Zum Teil 1 dieser Serie gelangen Sie hier.