Nachträglich wählbare EEG-Eigenverbrauchsvergütung für Bestandsanlagen

 

Seit dem 1.4.2012 ist die Berechnung des Eigenverbrauchsvorteils recht einfach: Gesparte Netzbezugskosten minus entgangene Einspeisevergütung (bzw. bei nicht mehr kostendeckender Vergütung: gesparte Netzbezugskosten minus PV-Erzeugungskosten). Zwischen dem 1.1.2009 und dem 31.3.2012 hat es hingegen eine spezielle EEG-Förderung des PV-Eigenverbrauchs gegeben, wobei alle Anlagen mit einem Inbetriebnahmedatum innerhalb dieses Zeitraums während der 20jährigen EEG-Förderung jederzeit auf das zu diesem Zeitpunkt gültige Eigenverbrauchs-Vergütungsmodell umgestellt werden können. Erschwerend kommt hinzu, dass zum 1.1.2010 der EEG-Fördermechanismus für den Eigenverbrauch umgestellt und zum 1.7.2010 noch einmal angepasst und attraktiver gemacht wurde. Es gibt de facto also drei unterschiedliche Modelle der Eigenverbrauchförderung für Bestandsanlagen, die aufgrund der großen Anlagenzahl aus dieser Zeit allesamt auch weiterhin relevant sind.


Modell A (IBN 1.1.2009 bis 31.12.2009)
Für jede selbst verbrauchte kWh erhalt der Betreiber 25,01 ct (also 18 ct weniger als die Einspeisevergütung von 43,01 ct für Anlagen bis 30 kWp). Der Eigenverbrauch lohnt sich also dann, wenn der Netto-Bezugsstrompreis mehr als 18 ct beträgt. Bei privater Eigennutzung des Solarstroms sind pro kWh noch 19% USt. auf dessen fiktiven Preis von 18 ct abzuführen (wenn der Betreiber seinen privaten Bezugsstrom beim Versorger einkauft, muss er dafür ja ebenfalls USt. entrichten).

Bei 4.000 kWh privatem Eigenverbrauch und einem angenommenen Strompreis von 27 ct brutto ergibt sich ein effektiver Vorteil von rund 220 EUR.

Rechnung:
+ Eigenverbrauchsvergütung: 1.000,40 EUR
+ Gesparte Bezugsstromkosten: 1.080 EUR
- Entgangenen Einspeisevergütung: 1.720,40 EUR
- Abzuführende USt. auf den selbstverbrauchten Strom: 136,80 EUR



Modell B (IBN 1.1.2010 bis 30.6.2010)

Hier wurde das System so geändert, dass der Eigenverbrauchsvorteil unabhängig von der jeweiligen Einspeisevergütung ist: Der Betreiber erhält für jede selbst verbrauchte PV-Kilowattstunde 16,38 ct weniger als die jeweils gültige Einspeisevergütung, bei 39,14 ct/kWh (bis 30 kWp) also 22,76 ct/kWh. Auch hier sind auf den „fiktiven“ Preis von 16,38 ct des für private Zwecke selbstverbrauchten Solarstroms 19 % Umsatzsteuer an das Finanzamt abzuführen (also 3,11 ct/kWh).

Bei 4.000 kWh privatem Eigenverbrauch und einem angenommenen Strompreis von 27 ct brutto ergibt sich ein effektiver Vorteil von knapp 300 EUR.

Rechnung:
+ Gesparte Bezugsstromkosten: 1.080 EUR
- „Mindervergütung“:  655,20 EUR
- Abzuführende USt. auf den selbstverbrauchten Strom: 128,80 EUR



Modell C (IBN 1.7.2010 bis 31.3.2012)
Die Rechnung ist prinzipiell die gleiche wie im Modell B, es gibt allerdings eine stärkere Förderung oberhalb von 30 % Eigenverbrauch im Jahresschnitt. So erhält der Anlagenbetreiber bis zu einer jährlichen Eigenverbrauchsquote von 30 Prozent für jede selbst verbrauchte Kilowattstunde 16,38 ct weniger Vergütung als bei regulärer Einspeisung.
Oberhalb von 30 Prozent Eigenverbrauch beträgt der Abzug dagegen nur 12 ct, hier wird der Eigenverbrauch also noch stärker gefördert.
Wenn man die ab Oktober 2010 gültige Einspeisevergütung zugrunde legt, ergeben sich Eigenverbrauchsvergütungen von 16,65 beziehungsweise 21,03 ct. Bei privater Nutzung des Stroms müssen dann noch 19 Prozent Umsatzsteuer auf den fiktiven Kaufpreis des Solarstroms (also die Vergütungsabsenkung von 16,38 bzw. 12 ct) an das Finanzamt abgeführt werden – genauso wie beim Endkundenstrompreis des Energieversorgers.

Insgesamt sieht die Rechnung für Dachanlagen bis 30 kWp, die ab Oktober 2010 ans Netz gegangen sind, so aus: 33,03 ct Einspeisevergütung minus 16,38 bzw. 12 ct Abzug für den Eigenverbrauch minus die darauf zu entrichtende Umsatzsteuer plus die gesparten Brutto-Stromkosten.
Der effektive Eigenverbrauchsvorteil lässt sich ohne Angabe der Eigenverbrauchsquote allerdings nicht mehr berechnen. Klar ist aber, dass er mindestens so groß ist wie im Modell B und noch größer wird, wenn die jährliche Eigenverbrauchsquote 30 Prozent übersteigt.

Hier noch ein seinerzeit veröffentlichtes Zahlenbeispiel:
Bei einem angenommenen Bezugsstrompreis von 28 ct brutto (=23,5 ct netto) und einer Eigenverbrauchsquote von 40 Prozent ergibt sich folgende Durchschnittsvergütung für jede selbst verbrauchte Kilowattstunde:

Rechnung:

33,03 ct Einspeisevergütung
+ (30%/40%) • (28 ct – 16,38 ct - 3,11 ct) = 6,38 ct
+ (10%/40%) • (28 ct – 12 ct - 2,28 ct) = 4,43 ct
= 43,84 ct

Der Bonus auf jede eigenverbrauchte Solar-kWh beträgt also rund 10,8 ct oder 33 Prozent der Einspeisevergütung!

Die durchschnittliche Vergütung aller unter diesen Bedingungen (Strompreis, Eigenverbrauchsquote) erzeugten Kilowattstunden, etwa für Wirtschaftlichkeitsberechnungen, berechnet sich wie folgt:

33,03 ct Einspeisevergütung
+ 30% • (28 ct – 16,38 ct - 3,11 ct) = 2,55 ct
+ 10% • (28 ct – 12 ct - 2,28 ct) = 1,37 ct
= 36,95 ct

Der Eigenverbrauch von 40 Prozent in diesem Beispiel steigert den Anlagenertrag also um 11,9 Prozent!